Freitag, 13. April 2012

Aufmerksamkeit / Wahrnehmung


Aufmerksamkeit - Wahrnehmung
(Eine indianische Weisheit)

Ein Indianer, der in einem Reservat weit von der nächsten Stadt entfernt wohnte, besuchte das erste Mal seinen weißen Bruder in der Großstadt.

Er war sehr verwirrt von dem vielen Lärm, von der Hektik und vom Gestank in den Straßenschluchten. Als sie nun durch die Einkaufsstraße mit den großen Schaufenstern spazierten, blieb der Indianer plötzlich stehen und horchte auf.

„Was hast du“, fragte ihn sein Freund.  „Ich höre irgendwo eine Grille zirpen“, antwortete der Indianer.
„Das ist unmöglich“, lachte der Weiße. „Erstens gibt es hier in der Stadt keine Grillen und zweitens würde ihr Geräusch in diesem Lärm untergehen.“

Der Indianer ließ sich jedoch nicht beirren und folgte dem Zirpen. Sie kamen zu einem älteren Haus dessen Wand ganz mit Efeu überwachsen war. Er Indianer teilte die Blätter und tatsächlich: Da saß eine große Grille.

„Ihr Indianer habt eben einfach ein viel besseres Gehör“, sagte der Weiße im Weitergehen. „Unsinn“, erwiderte der Freund vom Land. „Ich werde dir das Gegenteil beweisen“. Er nahm eine kleine Münze aus seiner Tasche und warf sie auf den Boden. Ein leises „PLING“ ließ sich vernehmen. Selbst einige Passanten, die mehr als zehn Meter entfernt standen, drehten sich augenblicklich um und schauten in die Richtung, aus der sie das Geräusch gehört hatten.

„Siehst du mein Freund, es liegt nicht am Gehör. Was wir wahrnehmen können oder nicht, liegt ausschließlich an der Richtung unserer Aufmerksamkeit.  Was du hörst, sagt mehr darüber aus wie du denkst, als was dich umgibt.“





Kurzgeschichte von Heinrich Böll

Es war einmal in einem kleinen Fischerdorf  irgendwo in Italien. Ein Tourist kam vorbei und sah einen Mann, der seelenruhig am Hafenkai saß und aufs Meer blickte.
Der Tourist ging zu dem Mann und sagte: „Entschuldigung, ich möchte Sie etwas fragen: Warum arbeiten Sie eigentlich nicht? Sie könnten sich zum Beispiel ein Fischerboot kaufen und hinaus aufs Meer fahren.“
„Aber warum soll ich denn arbeiten?“ fragte der Mann. „Ich habe alles, was ich brauche – genug zu leben und zufrieden bin ich auch.“
„Aber wenn Sie arbeiten würden, können Sie viel Geld verdienen, das Geld sparen und es zinsbringend anlegen!“ sagte der Tourist.
„Warum“, fragte der Mann, „soll ich Geld verdienen und sparen?“
„Wenn Sie gut verdienen, können Sie von den Zinsen leben und dann brauchen Sie nicht mehr zu arbeiten“!
Der Mann schaute den Touristen an und schüttelte langsam den Kopf. Dann ging sein Blick wieder hinauf auf das Meer.

Donnerstag, 12. April 2012

Ich bin ein Felsen


Ich bin ein Felsen

Ich habe Leben und Tod gesehen.
Ich habe Glück erfahren, Sorge und Schmerz.

Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unserer Mutter, der Erde.
Ich habe ihr Herz an meinem schlagen gefühlt.
Ich habe ihren Schmerz gefühlt
und ihre Freude.

Ich lebe ein Felsenleben.
Ich bin ein Teil unseres Vaters, des Großen Geheimnisses.
Ich habe seinen Kummer gefühlt
und seine Weisheit.
Ich habe seine Geschöpfe gesehn, meine Schwestern und Brüder,
die Tiere, die Vögel,
die redenden Flüsse und Winde, die Bäume,
alles, was auf der Erde,
und alles , was im Universum ist.
Ich bin mit den Sternen verwandt.

Ich kann sprechen, wenn du zu mir sprichst.
Ich werde zuhören, wenn du redest.
Ich kann dir helfen, wenn du Hilfe brauchst.
Aber verletz mich nicht,
denn ich kann fühlen wie du.
Ich habe Kraft zu heilen,
doch du wirst sie erst suchen müssen.

Vielleicht denkst du, ich bin bloß ein Felsen,
der in der Stille daliegt
auf feuchtem Grund,
weil ich nicht glitzere und glänze,
einfach nur da und unauffällig bin.

Aber das bin ich nicht,
ich bin ein Teil des Lebens,
ich lebe,
ich helfe denen,
die mich achten.
11.04.2012

 Nach Cesspooch (Dancing Eagle Plum)
Original veröffentlicht 1973 in „Akwesasne Notes“

Dienstag, 10. April 2012

Gefangene, Nahrung


Gefangene
Wir sind alle,
auf die eine oder andere Art und Weise,
mehr oder weniger,
Gefangene.

Und diejenigen,
die es wissen,
denen es bewusst ist,
leiden am meisten.
06.04.12



Nahrung
Wie oft werde ich gefragt,
ob ich auch genug zu essen habe,
werde mit Nahrung versorgt.

Zu essen habe ich genug.
Ich würde nie verhungern.

Trotzdem leide ich,
unter Mangelerscheinungen.

Seelisches, Geistiges,
Herzenswärme, Zuneigung,
Anerkennung, Angenommen sein,
Akzeptanz, Respekt
sind auch Nahrung,
die lebensnotwendig ist.
Nur wird das zu selten so gesehen.

Deshalb leide nicht nur ich,
unter Mangelerscheinungen.
06.04.12

Mächtiger Adler


Mächtiger Adler

Mächtiger Adler,
gern sähe ich meine Zukunft
und wüsste was mir bevorsteht,
damit ich in Harmonie mit dem Schicksal,
den Wechselfällen und Umständen leben kann.

Mächtiger Adler,
vergebens suche ich die Vergangenheit ab
nach Zeichen und Wegmarken scharf und klar,
die meinen Pfad bis an sein Ende leiten.
Aber die Erinnerung verblasst mit der Zeit,
vermischt Gewesenes mit nicht Gewesenem,
macht aus Wirklichkeit und Phantasie
ein schwankendes, verschwimmendes Ganzes.
Irrende Schritte, die getan werden müssen.

Mächtiger Adler,
gerne hätte ich deine Kräfte
der Vision, der Stärke und des Mutes,
als Waffen gegen die ungeborenen Stunden
der Bedrängnis auf meiner Pilgerschaft.
Sucht meine Seele Erfüllung,
strebt mein Herz nach Frieden,
kommt, was ich tue, aus Güte,
so verdiene ich würdig zu sein.

Mächtiger Adler,
gib mir die Kraft und Stärke,
den Roten Weg weiter zu gehen,
ihn nicht zu verlassen.
Trotz aller Widrigkeiten,
 Anfeindungen und allem Unverständnis
meiner anderen Schwestern und Brüder.

Mächtiger Adler,
lass mich im Einklang mit Mutter Erde,
ihrer Gesetze und ihren Kindern leben.
Lass mich, in der Tradition meiner Ahnen,
Ehrlichkeit, Offenheit, Aufrichtigkeit,
Mut, Tapferkeit und Mitgefühl
in all meinem Tun walten lassen.
10. 04. 2012
Nach einem Indianischen Gebet

Freitag, 6. April 2012

Freundschaften u. anderes


Freundschaften
Fangen mit Begegnungen an,
irgendwie, irgendwo, irgendwann…
und meist ahnt man nicht,
dass dies einer der wichtigsten Menschen
in seinem Leben werden kann.
Unbekannt, 04.04.12


Manchmal -
Muss man etwas verlieren, um zu wissen, was man hatte.
Muss man kämpfen, um das zu behalten, was man liebt.
Muss man das Liebste, das man hat,
gehen lassen, um es glücklich zu machen.
Nach Coverphotos.net
05.04.12


 Der kleine Unterschied
Ich sehe nur schräg aus.
 Andere sehen nicht so aus,
sind  dafür aber wirklich 
"Schräge Vögel".
05.04.12



Menschen - Steine

Menschen sind wie Steine
im Fluss des Lebens.

Viele liegen wie selbstverständlich am Rande,
sind glatt poliert, jeder kann sie sehen.
Sie fallen einem in`s Auge,
blenden durch ihren Glanz.

Manche liegen unscheinbar
verstreut im Lauf des Flusses
und nur selten verirrt sich ein Blick zu ihnen.

Und es gibt Steine,
die am Grunde liegen:
Keiner sieht sie.
Keiner beachtet sie.
Doch wenn diese gefunden werden,
sind sie wertvoller als alle anderen…..
Denn jemand hat nach ihnen gesucht.
Unbekannt, bearbeitet 06.04.12 


Gefangene
Wir sind alle
auf die eine oder andere Art und Weise,
mehr oder weniger,
Gefangene.

Und diejenigen,
die es wissen,
denen es bewusst ist,
leiden am meisten.
06.04.12


Nahrung
Wie oft werde ich gefragt,
ob ich auch genug zu essen habe,
werde mit fester Nahrung versorgt.

Zu essen habe ich genug.
Ich würde nie verhungern.

Trotzdem leide ich,
unter Mangelerscheinungen.

Seelisches, Geistiges,
Herzenswärme, Zuneigung,
Anerkennung, Angenommen sein,
Akzeptanz, Respekt
sind auch Nahrung,
die lebensnotwendig ist.
Nur wird das zu selten so gesehen.

Deshalb leide nicht nur ich,
unter Mangelerscheinungen.
06.04.12